Recht

Home
Legasthenie
Dyskalkulie
LRS Fremdsprache
Folgen
Impressum
Bildungspaket
Recht

Verfasser:

§§§§§§§§ Recht - kurz gefasst §§§§§§§§

Hilfen für junge Erwachsene

mit Legasthenie/Dyskalkulie

Schulische Hilfen nach der Verwaltungsvorschrift

Die bisher geltenden Verwaltungsvorschriften für Schüler mit Schwierigkeiten im Lesen und

Rechtschreiben und für Schüler mit Behinderungen und besonderem Förderbedarf sind nun

in einer Verwaltungsvorschrift zur Änderung der Verwaltungsvorschrift „Kinder und

Jugendliche mit Behinderungen und besonderem Förderbedarf“ vom 22. 8. 2008

zusammengefasst worden. Die Verwaltungsvorschrift gilt für alle Schularten, also auch in

den beruflichen Schulen., Abschnitt 2.3.1 enthält die Vorschriften zum Nachteilsausgleich

und Abschnitt 2.3.2 enthält spezielle Regelungen bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten

zur Leistungsbemessung und -bewertung.

Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben umfassen wie bisher sowohl die eher

weniger gravierende Lese-/Rechtschreibschwäche, als auch die medizinisch diagnostizierte

Lese-Rechtschreibstörung/Legasthenie. Die Diagnostik erfolgt primär durch die Lehrkräfte.

Ein außerschulisches Fachgutachten ist grundsätzlich nicht erforderlich. Die

Entscheidungen über die Maßnahmen trifft die Klassen- bzw. Jahrgangsstufenkonferenz

unter Vorsitz des Schulleiters. Bei gravierenderen Schwierigkeiten ist allerdings eine

medizinische Störungsdiagnostik zu empfehlen, s. o. So kann die Klassen- oder

Jahrgangsstufenkonferenz beim Nachteilsausgleich (2.3.1) außerschulische

Stellungnahmen und Gutachten in ihre Entscheidungsfindung einbeziehen und bei einer

medizinisch diagnostizierten Lese-Rechtschreibstörung/Legasthenie sind

Schutzmaßnahmen (2.3.2) auch über die 6. Klasse hinaus, also nach oben unbegrenzt,

möglich.

Nachteilsausgleich (2.3.1)

Neu sind die Regelungen zum Nachteilsausgleich, die auch in Abschlussklassen und

Prüfungen angewendet werden können. Über den Nachteilsausgleich entscheidet die

Klassen- oder Jahrgangsstufenkonferenz. Die jeweilige Entscheidung über die

Anwendung von Maßnahmen des Nachteilsausgleichs im Einzelfall ist eine

Ermessensentscheidung. Nachteilsausgleich ist in besonders begründeten Einzelfällen

möglich, um Nachteile von Schülern mit besonderem Förderbedarf oder mit Behinderungen,

z. B. einer Legasthenie, auszugleichen. Die Klassen- oder Jahrgangsstufenkonferenz kann

außerschulische Stellungnahmen und Gutachten in ihre Entscheidungsfindung

einbeziehen. Die Entscheidung der Klassen- bzw. Jahrgangsstufenkonferenz hat bindende

Wirkung für die Fachlehrer. Als Maßnahmen des Nachteilsausgleichs kommen in

Betracht

- Anpassung/Ausweitung der Arbeitszeit, besonders auch bei Klassenarbeiten

- Nutzung technischer oder didaktisch-methodischer Hilfen, z. B. PC, aber ohne

Rechtschreib-Programm

- Andere der Gewichtung der schriftlichen, mündlichen und praktischen Leistungen, d.h.

vor allem eine stärkere Gewichtung der mündlichen Leistungen

- Abweichen von äußeren Rahmenbedingungen in Prüfungen.

Zusätzlich können mögliche Härten auch mit Ermessensspielräumen gemildert werden,

insbesondere durch Nachlernfristen, Ausnahmeregelungen bei Versetzungsentscheidungen,

zusätzliche Wiederholungen von Klassen- oder Jahrgangsstufen oder Ergänzungen der

Noten durch verbale Beurteilungen.

Besonderheiten für Schüler mit Schwierigkeiten im Lesen oder Rechtschreiben bei

der Leistungsbemessung und Leistungsbewertung (2.3.2)

Diese Regelungen gelten für Schüler mit Lese-Rechtschreibschwäche wie für Schüler mit

Lese-Rechtschreibstörung/Legasthenie. Für höhere Klassestufen können die Regelungen

in begründeten Ausnahmefällen angewendet werden. Ein begründeter Ausnahmefall ist

eine medizinisch diagnostizierte Lese-Rechtschreibstörung/Legasthenie. Aber auch bei

Fällen ausgeprägter Leserechtschreibschwäche sind Ausnahmen möglich, wenn ein

komplexes Feld an Ursachen für einen gestörten oder verzögerten Schriftspracherwerb

vorliegt.

Für Deutsch und für die Fremdsprachen:

-Weiterhin ist nur „zurückhaltende Gewichtung“ der Leistungen im Lesen oder

Rechtschreiben vorgesehen. Das ist verpflichtend für die Lehrer und gilt auch für die

Berechnung der Zeugnisnote. Das bedeutet die Lehrer müssen von ihrer

„Standardgewichtung“ abweichen. Kriterium ist insbesondere die Schwere der Problematik.

Darüber hinaus bleibt das Ausmaß der Gewichtung jedoch dem pädagogischen Spielraum

des einzelnen Fachlehrers vorbehalten.

-Bei Diktaten kann eine andere Aufgabe gestellt oder der Umfang der Arbeit begrenzt

werden. Dieses ist eine Ermessensregelung.

In den übrigen Fächern werden die Rechtschreibleistungen nicht gewertet. Diese

Vorschrift ist für alle Fachlehrer verpflichtend.

In den Abschlussklassen und Prüfungen gelten die Regelungen nicht. Zeugnisvermerke

sind nur bei zurückhaltender Gewichtung der Lese-Rechtschreibleistungen

vorgesehen.

Berufsbildungsgesetz - Berufsausbildung behinderter Menschen

Das Berufsbildungsgesetz enthält ausdrücklich Regelungen für Behinderte.

Berufsausbildung und Prüfungsordnung sollen das besondere Verhalten behinderter

Menschen berücksichtigen. Dies gilt insbesondere für die zeitliche und sachliche Gliederung

der Ausbildung, die Dauer von Prüfungszeit, die Zulassung von Hilfsmitteln und die

Inanspruchnahme von Hilfeleistungen Dritter.

Hilfen während des Studiums bei Behinderung

Nach dem Hochschulrahmengesetz und der Empfehlung der Kultusministerkonferenz zu

Studien- und Prüfungsbedingungen sowie den Regelungen in den Hochschulgesetzen der

Länder tragen die Hochschulen dafür Sorge, dass behinderte Studierende in ihrem Studium

nicht benachteiligt werden und in den Prüfungsordnungen müssen die besonderen Belange

behinderter Studierender zur Wahrung ihrer Chancengleichheit durch technische

Maßnahmen und rechtliche Vorschriften sichergestellt werden. Auch eine Befreiung von

Studiengebühren kann abhängig vom Behinderungsgrad möglich sein.

Nachteilsausgleich in Prüfungen unmittelbar aus Artikel 3 Grundgesetz

Aus medizinisch-psychologischer Sicht ist Legasthenie eine Behinderung. Es handelt sich

bei der Legasthenie um einen nicht nur vorübergehenden, sondern die Entwicklung der

Betroffenen bis ins Erwachsenenalter prägenden regelwidrigen Zustand in Form einer

neurobiologischen Hirnfunktionsstörung, die zu einer Beeinträchtigung bei der Verarbeitung

auditiver und visueller Informationen führt und sich in ganz erheblicher Weise auf die

Chancen der Betroffenen auswirkt, an den allgemeine Bildungs- und Lebenschancen in der

Gesellschaft teilzuhaben.

(Rechtsgutachten Prof. Dr. Langenfeld in Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V.:

Chancengleichheit herstellen - Diskriminierung vermeiden 2006)

Legasthenie ist eine Behinderung in den technischen Fertigkeiten des Schreibens und

des Lesens und keine Beeinträchtigung der intellektuellen, z. B. in schulischen Prüfungen

abgefragten Fähigkeiten.

(Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, Beschluss vom 19. 9. 2000 – 9 S 1607/00; Schleswig-

Holsteinisches Oberverwaltungsgericht, Beschluss vom 19. 8. 2002 – M 41/02; Hessischer

Verwaltungsgerichtshof, Beschluss vom 27. 12. 2005 – 8 TG 3292/05; Verwaltungsgericht Kassel,

Beschluss vom 23. 3. 2006 – 3 G 419/06)

Voraussetzung ist die Diagnose einer umschriebenen Entwicklungsstörung nach dem

Internationalen Störungskatalog der Weltgesundheitsorganisation ICD-10 (F81). Es reicht

jeder Grad der Behinderung aus. Es muss keine Schwerbehinderung vorliegen und es

sind auch keine psychischen Probleme im Sinne einer drohenden oder bestehenden

seelischen Behinderung wie in § 35a SGB VIII erforderlich. Eine Leserechtschreibschwäche

reicht allerdings nicht aus.

Der Nachteilsausgleich leitet sich direkt aus dem Grundgesetz, dem

Gleichheitsgrundsatz und dem Diskriminierungsverbot ab, gilt unabhängig von den

schulrechtlichen Regelungen und ist verpflichtend. In allen schriftlichen und mündlichen

staatlichen Prüfungen müssen gleiche Prüfungsbedingungen gegeben sein. Die

behinderungsbedingten Nachteile sind auszugleichen, d. h. die Hilfe muss im Einzelfall die

tatsächlich vorhandene Beeinträchtigung ausgleichen, z. B. in Form von Zeitzuschlag oder

technischen Hilfsmitteln.

Noch strittig ist, ob auch ein Anspruch, insbesondere auf Nichtbewertung der

Rechtschreibleistung in Deutsch und den Fremdsprachen aus Artikel 3 Grundgesetz

abgeleitet werden kann. So hat z. B. das niedersächsische Oberverwaltungsgericht

(Beschluss vom 10. 7. 2008 – 2 ME 309/08) entschieden, dass Legasthenie eine

Behinderung im Sinne des Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG sein kann und deshalb eine

Kompensation durch Schreibverlängerung zulässig ist, ebenso eine Nichtbewertung der

Rechtschreibung in Fächern, in denen es nicht primär auf Lese- und

Rechtschreibfähigkeiten ankommt, wie Mathematik und Naturwissenschaften. Eine

Nichtbewertung der Rechtschreibung in allen Fächern hat es aber abgelehnt.

Auch nach dem Verwaltungsgericht Köln (Beschluss vom 26. 9. 2008 – 10 L 1240/08)

bieten der Grundsatz der Chancengleichheit und das Diskriminierungsverbot keine

Anspruchsgrundlage dafür, einen legasthenen Schüler von den verbindlichen

Prüfungsanforderungen zu befreien bzw. ihn bei der Leistungsbewertung zu priveligieren

Arbeitsagentur – SGB III

Nach den §§ 240 ff. SGB III kann die Arbeitsagentur Trägern von Maßnahmen der

beruflichen Ausbildung Zuschüsse zur Förderung der Berufsausbildung von benachteiligten

Auszubildenden gewähren, zu denen nach § 242 SGB III auch die

Legastheniker/Dyskakuliker zählen. Förderungsfähige ausbildungsbegleitende Hilfe kann

auch Stützunterricht sein.

Versorgungsamt / Integrationsamt – Nachteilsausgleich bei

Behinderung oder Schwerbehinderung

Die Feststellung der Behinderung oder Schwerbehinderung und die Ausstellung eines

Schwerbehindertenausweises wird beim Versorgungsamt beantragt. Eine

Schwerbehinderung i. S. v. § 2 Abs. 2 SGB IX liegt vor, wenn der Grad der Behinderung

(GdB) wenigstens 50% beträgt. Darüber hinaus können diejenigen Schwerbehinderten

gleichgestellt werden, deren Behinderung mindestens 30% beträgt und die infolge ihrer

Behinderung keinen geeigneten Arbeitsplatz bekommen können. Nach § 68 Abs. 4 SGB IX

können Jugendliche und junge Erwachsene während der Zeit einer Berufsausbildung auch

dann schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden, wenn der Grad der Behinderung

weniger als 30 beträgt.

Krankenversicherung – Behandlungen von Folgekrankheiten

Die gesetzliche Krankenversicherung ist für Krankenbehandlung zuständig.

Teilleistungsstörungen, wie Legasthenie oder Dyskalkulie gelten für sich genommen nicht

als Krankheiten i. S. d. Krankenversicherungsrechts. Kommen allerdings weitere organische

oder psychische Erkrankungen hinzu, wie motorische Störungen, Seh- oder Hörstörungen,

psychosomatische Beschwerden oder z. B. ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und sollen

primär diese behandelt werden, ist die Krankenkasse dafür zuständig. Ihr

Leistungsspektrum umfasst aber nur Behandlungen durch Ärzte, Psychologische

Psychotherapeuten bzw. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten oder medizinische

Hilfspersonen, wie Ergotherapeuten, Logopäden oder Physiotherapeuten, dagegen keinen

Förderunterricht.

Jugendhilfe - § 41 SGB VIII

Nach § 41 SGB VIII sind die Hilfen i. S. d. § 35a grundsätzlich auch jungen Volljährigen als

Hilfen für die Persönlichkeitsentwicklung zu gewähren, solange diese Hilfen aufgrund der

individuellen Situation notwendig sind, insbesondere wenn es um die Fortführung einer

bereits gewährten Eingliederungshilfe geht und dieser Hilfebedarf fortbesteht. In der Regel

werden sie nur für das Alter von 18 bis 20 Jahren gewährt.

Sozialhilfe – Eingliederungshilfe nach § 53 SGB XII

Bei Erstanträgen von über 20jährigen, kann beim Sozialamt Eingliederungshilfe nach § 53

SGB XII in Form von Hilfen zu einer angemessenen Schulbildung oder Hilfe zur schulischen

Ausbildung für einen angemessenen Beruf beantragt werden. Eine seelische Behinderung

nach § 53 SGB XII setzt eines der in § 3 der Verordnung zu § 47 BSHG abschließend

aufgelisteten seelischen Störungsbilder, wie eine Neurose oder Persönlichkeitsstörung

voraus. § 53 SGB XII verlangt außerdem, dass der betroffene junge Erwachsene wesentlich

in seiner Fähigkeit, am Leben in der Gesellschaft teilzuhaben, eingeschränkt ist, damit ist

die Schwelle deutlich höher, als bei der Eingliederungshilfe nach der Jugendhilfe.

Förderschule Sprungtuch GmbH, Theodor-Frings-Alle 6 (Anbau), 41751 Viersen, Tel: 0162-450463

www.Sprungtuch.de

 

 

 

Rechtschreibkurse, Tippkurse zum Erlernen des Zehnfinger Blindschreibens, Englisch Grammatik/Rechtschreibung für Legastheniker

Home | Legasthenie | Dyskalkulie | LRS Fremdsprache | Folgen | Impressum | Bildungspaket | Recht